Abgewrackt

Die Abwrackprämie, im offiziellen Sprachgebrauch Umweltprämie genannnt, ist Geschichte. Die letzten Prämien wurden vergeben, nun kann der geneigte Spätinteressent nur noch auf Rückläufer hoffen.

Auch Willy hat die Chance genutzt und seine alte, große Familienkutsche gegen einen schicken Kleinwagen japanischer Fertigung ersetzt. Schließlich wird der Sprit auch immer teurer und für ihn allein gehe es auch eine Nummer kleiner, hat er sich gesagt. Zu den 2.500€ Prämie gab der Hersteller noch etwas dazu und auch der Händler zeigte sich nicht knauserig, da fiel das Wechseln leicht.

Bevor das Altauto seine letzte Ruhestätte fand, musste selbstverständlich noch das Amateurfunkequipment ausgebaut werden. Im geräumigen Innenraum hatte bislang ein 15 Jahre alter Transceiver nebst einen Peiker-Lautsprecher Platz genommen, das Dach schmückte eine rund 80 cm lange diamantene Antenne.

Als gutem Funkamateur war Willy klar, auch sein neues Auto müsse Amateurfunk bekommen, ohne gehe es nicht. Also fragte er den Verkäufer des Autohauses, für dessen Angebot er sich entschieden hatte, nach einer Möglichkeit, sein geliebtes Hobby auch in der neuen mobilen Freiheit weiterhin ausüben zu können.

“CB-Funk? Das machen Sie noch? Ist ja interessant!” Der Verkäufer, der als Jüngling in den ’80er Jahren offenbar selbst für Korsofahrten einmal zum Mikrofon gegriffen hatte, war baff erstaunt. Willy, noch glücklich über seinen guten Kauf und deshalb nicht aus der Ruhe zu bringen, erklärte sodann den feinen Unterschied zwischen den beiden Hobbyfunkdiensten.
Der Verkäufer entschuldigte sich wortreich und versprach, sich um die Sache zu kümmern.

Als gutem Funkamateur ließ Willy die Sache mit dem Funkgerät keine Ruhe und so fragte er eine Woche später erneut bei seinem Verkäufer an.
“Oh ja”, beschied ihm dieser, “selbstverständlich können Sie Funkbetrieb in Ihrem Auto durchführen. Hierfür ist eine maximale Strahlungsleistung von 25 Watt erlaubt, wenn sie die Antenne entweder in der hinteren linken oder der hinteren rechten Ecke des Daches montieren und das Funkgerät im Kofferraum, nicht jedoch in der Fahrgastzelle, platzieren.”

Vor Willys geistigem Auge lief ein Bild ab. Sein Auto, hinten links ein Loch im schönen neuen Dach, das Mikrofonkabel quer durch das Auto gespannt und großen Transceiver im Kofferraum, der diesen schon zur Hälfte füllte.

Was, fragte sich Willy unwillkürlich und schreckensbleich, passiere denn dann, wenn er einmal aus Versehen zu dicht unter den Antennen der Contest-Station seines OV parkte oder – noch schlimmer – sich dem Sendemasten eines Radio- oder Fernsehsenders zu sehr näherte? Auf seinem Arbeitsweg kam er regelmäßig an einem Fernsehturm vorbei, würde er nun eine andere Route wählen müssen?

Zwar beruhigte ihn der Verkäufer diesbezüglich, machte jedoch klar, dass er bei Nichteinhaltung dieser Grenzwerte für eventuelle Schäden keine Gewährleistung übernehmen wolle.

Die Vorfreude auf das schöne neue Kleingefährt – auf einmal war sie jäh dahingeschwunden. Eigentlich, so dachte er, hätte es sein alter ja auch noch getan. Schließlich hatte er bis auf die üblichen Kleinigkeiten noch tadellos funktioniert und war noch nie kaputt gewesen. Nun denn, es war zu spät, die Presse hatte schon vor Wochen sauber ihren Dienst erfüllt.

Und wenn ich es einmal ohne Amateurfunk im Auto versuche, fragte er sich. Schließlich waren auf dem hiesigen Relais immer weniger Amateure mobil qrv und langsam dämmerte Willy auch wieso.

Eine Woche später durfte er sein neues Gefährt abholen. Glücklich und zufrieden fuhr er vom Hof.

In der Zwischenzeit hatte er sich ein Auto geliehen und dabei festgestellt, dass das Radioprogramm besser war als er bislang gedacht hatte. Außerdem war ihm nun klar geworden, dass er sein altes Schätzchen im Fußraum des neuen Mobiles auch gar nicht mehr würde unterbringen können. Ein neuer Transceiver wäre also nötig, wollte er weiterhin wie gewohnt aus dem Auto qrv sein.

Zu Hause angekommen legte Willy deshalb erst einmal ein altes IC-2E ins Handschuhfach – für alle Fälle. Den Funkgeräteeinbau würde er später erledigen – sicher irgendwann einmal…

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