Archiv für August, 2009

Von Maulhelden und D-Star-Helden

Willy ist aufmerksamer Leser in diversen Foren rund um das schöne Hobby Amateurfunk. Deshalb weiß Willy, wie sie alle heißen, die OM mit den meisten Postings im DARC-Forum,. Packet-Radio- und den diversen anderen Ecken des Internetzes, in denen sich Gleichgesinnte treffen und – zumeist – schimpfen. Willy nimmt all diese Postings in sich auf und weiß mittlerweile, so glaubt er, zwischen Polemik und berechtigter Kritik durchaus zu unterscheiden.

Vor allem das Thema D-Star, das ist Willy aufgefallen, ist ein echtes Reizthema. Auch auf den Relais-Frequenzen hat er sie schon oft gehört und alles brav verinnerlicht.
Also wartete er gespannt auf die Diskussionen, die ihn auf seiner Lieblingsmesse, der HAM Radio, erwarten würden. Schließlich gab es dort drei Gelegenheiten, sich mit dem D-Starer aller D-Starer (Forenzitat) einmal richtig Auge in Auge zu duellieren.

Am Freitag begann es mit einem Vortrag zur Weiterentwicklung dieser als Amateurfunk 2.0 gepriesenen Technologie. In seinem Kopf lief schon der Film ab: Thomas Bach gemeinsam mit Britta Heidemann, wartend auf das „en garde“ aus dem Publikum.

Um so erstaunter war Willy am Ende über die ruhige und sogar konstruktive Diskussion, die ihn dort erwartete. Nicht, dass er technisch alles verstanden hätte, aber der große Knall, soviel war ihm klar, blieb für diesen Tag aus. Nun gut, dachte er sich, selbst noch benommen von der Wärme und der langen Anreise, der D-Star versus Analog Vortrag am Samstag würde wohl die Bühne sein, auf die Nörgler wie ernsthafte Kritiker gleichermaßen hingefiebert haben würden, vielleicht hatten sie ja den freitäglichen Termin auch einfach verschwitzt.

Aus dem Staunen nicht mehr heraus kam Willy dann, als sich der Moderator und der einmal mehr zur Verteidigung der digitalen Zukunft angetretene Thomas Bach des Amateurfunks, wie ihn Willy in Gedenken an den Vortag nun heimlich nannte, regelrecht bemühen mussten, ein paar Frager vor das Mikrofon zu zerren. Als die 45-minütige Odyssee vorbei war, hatte Willy erstmals das Gefühl, es müsse ein Zusammenhang zwischen durch das Schreiben von Forenbeiträgen entstandenen Kosten und der hierdurch verhinderten Anreise zur HAM bestehen. Anders schien es für ihn nicht erklärbar, dass auch bei dem anschließenden VUS-Referatstreffen beinahe gar keine Fragen aufkommen wollten, auch wenn seine Freunde die Niederländer seinem geliebten Hobby gerade die 70-cm-Frequenzen streitig machten.

Eine Erklärung hatte Willy jedoch noch im Köcher: Die Klasse K musste es sein, auf die sich alle mit ihren Worthülsen und Schimpfkanonaden vorbereiteten, anders konnte es gar nicht sein. Dies verstand Willy auch nur zu gut, schließlich setzte auch ihm die Hitze zu und es schien sinnvoll, die Geschütze vereint auf nur ein Ziel zu richten.

Doch offenbar, so merkte Willy am Sonntagmorgen schnell, waren zur Fragestunde rund um die Ergebnisse der Klasse K nur österreichische Funkamateure nach der vorabendlichen HAM-Party rechtzeitig aufgewacht. Anders als die Kollegen aus Delta Lima, die stoisch die Informationen in sich aufzunehmen schienen, berichteten die Freunde aus Oskar Echo über ihre Einsteigerklasse und brachten – oh Wunder – sogar die ein oder andere konstruktive Kritik an.

Verwirrt und traurig ging Willy nach Hause. Es fühlte sich so an, als hätte der Weltmeister allein im Ring gestanden, weil sich sein Herausforderer gar nicht erst aus der Kabine getraut hatte – vom drohenden Axel Schulz war nur das Handtuch übrig geblieben.

Wofür, fragte sich Willy unwillkürlich, hatten sie dann bloß alle ihre Postings verfasst, wofür sich persönlich beleidigt und dem Amateurfunk die Pest an den Hals gewünscht?

Zurück im Hotel schlug Willy sein Netbook auf und las die Forenbeiträge noch einmal. Dann loggte er sich aus und klappte es traurig zu. So viel Lesezeit – und alles umsonst. Gerade noch rechtzeitig vor Messeschluss erreichte er den Händler seines Vertrauens, um dort sein erstes D-Star-Handfunkgerät zu erstehen, bevor sich die Tore der großen Messehallen für ein Jahr hinter ihm schlossen.

Willy – der Gedankenamateur

Willy ist ein Funkamateur, ein ganz normaler. Mit Basteln hat er daher nicht viel im Sinn, die Geschicklichkeit mancher Jugendlicher bei Löten für Kids dürfte die seine deutlich übertreffen. Dennoch, oder gerade deshalb. Willy ist Amateur mit Leib und Seele. HAM-Spirit ist ihm vertraut, die Messen dieser Welt hat er bereist und von allem weiß er auch irgend wie ein bisschen. Die neuste Hard- und Software hat er stets im Schrank und er ist wild entschlossen, später einmal Berufsamateur zu werden.

Und Willy macht sich so seine Gedanken. Über den Amateurfunk, die Jugend im Allgemeinen und die Nichtfunker im Besonderen.

Dies wird er in unregelmäßiger Regelmäßigkeit ab sofort auf dieser Webseite tun. Willy ist nicht böse, Willy ist nur ein Gedankenamateur. Er will nicht kritisieren oder angreifen, sondern versucht auch andere vom Vorteil des Nachdenkens zu überzeugen, und seien sie nur Amateure wie er.